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«Es ist unwürdig, wie man mit diesen Leuten umgeht» – Damian Müller kritisiert Bundesrat
Damian Müller und Prisca Birrer-Heimo wollen, dass Betroffene der Krankheit, die landläufig und stigmatisierend «Chronisches Erschöpfungssyndrom» genannt wird, nicht alleingelassen werden. Der Bund schiebt die Verantwortung aber ab.

Stellen Sie sich vor, Sie haben absolut keine Energie. Ein Sonnenstrahl, sogar der Lärm einer weit entfernten Baustelle treibt die Erschöpfung weiter voran. Duschen oder aufs WC-Gehen macht die Erschöpfung noch grösser. Sie haben kaum erträgliche Schmerzen, Konzentrationsstörungen und Muskelschwäche. Aber kein Arzt weiss, was los ist. Nicht der erste, nicht der dritte, nicht der zehnte. Das ist die Realität von Tausenden ME-Betroffenen in der Schweiz.
Menschen mit ME fallen durch alle Raster des Gesundheitssystems. Viele Ärztinnen erkennen die Symptome nicht, und Vertreter der Invalidenversicherung tun Betroffene oft als Simulanten ab. So begeben sich viele auf einen Husarenritt, um richtig diagnostiziert und von den Versicherungen akzeptiert zu werden. Die Belastung dieser Suche nach Antworten und Unterstützung von Seite IV ist oft so gross, dass die Krankheit noch schlimmer wird. Denn wenn Betroffene über ihre Belastungsgrenze hinausgehen, führt das zu einer Verschlechterung des Gesundheitszustands.
Vorstösse stossen auf wenig Interesse
Sowohl Damian Müller, Luzerner FDP-Ständerat, als auch Prisca Birrer-Heimo, Luzerner SP-Nationalrätin, wollen die Situation der Betroffenen verbessern. Seit 2015 haben sie insgesamt vier Vorstösse eingereicht. Ein wichtiger Grund für das Engagement von Damian Müller: In seinem persönlichen Umfeld ist jemand von der Krankheit betroffen. «Wenn man einmal gesehen hat, wie es jemandem mit dieser Krankheit geht, dann weiss man: Da muss sich etwas ändern.»
Bisher bleibt der Einsatz der beiden Politiker ohne grösseren Erfolg. In den Antworten auf die Vorstösse verweist der Bundesrat jeweils auf «die zuständigen Fachorganisationen». Diese sollen den Forschungsstand zusammenfassen und «Leitlinien zur Diagnostik und Therapie entwickeln».
Diese Antwort konsterniert Damian Müller und Jonas Sagelsdorff, Co-Präsident der Schweizerischen Gesellschaft für ME & CFS (SGME). Der Grund: Erstens gibt es gar keine Fachorganisation und zweitens existieren bereits Leitlinien – von den US-Gesundheitsbehörden. Der Bundesrat schiebe die Verantwortung also ab. Auf nicht existente Fachorganisationen – «oder auf die Kantone», erklärt Müller. Dies, weil die Kantone für die Gesundheitsversorgung zuständig sind. «Das ist eine Verschieberei ohne Lösungsweg», nervt sich Müller. «Das muss offensichtlich national koordiniert werden.»
Prisca Birrer-Heimo gibt zu bedenken: «Man ist von der Verwaltung immer vorsichtig, verbindliche Aussagen zu machen, weil es grosse Kostenfolgen haben könnte.» Und sie ergänzt: «Es herrscht grosse Sorge, was eine Anerkennung kostenmässig bedeutet. Das geht über die Krankenkasse hinaus; auch die IV müsste dann mehr Renten bezahlen.»
Doch aus gesamtwirtschaftlicher Sicht mache es keinen Sinn, das Problem hinauszuschieben, ist Damian Müller überzeugt: «Die Kosten dieser Krankheit sind riesig. Denken Sie schon nur an die Betroffenen, die keine Ausbildung machen können und nicht mehr arbeiten können. Dazu kommt das Umfeld, die Familie, die oftmals wegen des Betreuungsaufwands nicht mehr arbeiten kann.» Die SGME beziffert die gesamtwirtschaftlichen Kosten auf über drei Milliarden Franken pro Jahr.
Betroffene erhalten falsche Diagnosen
Der Bundesrat ist nicht bereit, konkrete Massnahmen zu erlassen, und sonst fühlt sich niemand zuständig. Dadurch ist der Leidensdruck der Betroffenen riesig. Rund 60’000 Menschen sind in der Schweiz von der Krankheit betroffen – die Zahl hat sich aufgrund von Long-Covid-Fällen verdreifacht. 60 Prozent von ihnen sind arbeitsunfähig. Jeder Vierte ist ans Haus gebunden. Viele sind bettlägerig. Schwerstbetroffene können sich im Bett nicht mehr selber umlagern und müssen sogar künstlich ernährt werden. Trotzdem ist es schwierig, eine korrekte Diagnose zu erhalten, geschweige denn eine IV-Rente.
Die Konsequenzen der mangelnden Information durch die Behörden zeigt eine Studie eines Schweizer Forschungsteams eindrücklich auf. Diese hat ergeben, dass Betroffene hierzulande durchschnittlich elf Ärzte aufsuchen, bis sie eine Diagnose erhalten. Zuvor kommt es im Schnitt zu zwei bis drei falschen Diagnosen. Eine grosse Mehrheit der Befragten geben an, sie hätten sich bei Arztbesuchen nicht ernst genommen gefühlt. Eine 51-Jährige aus dem Kanton Aargau schreibt:
«Ich habe es aufgegeben, in der Schweiz zu Ärzten zu gehen. Ich ging nach London, wo ich mit ME/CFS diagnostiziert wurde. Zurück in der Schweiz, gab ich den Bericht meinem Arzt, der sagte, dass es das nicht gibt.»
Damian Müller sagt: «Es ist unwürdig, wie man mit diesen Leuten umgeht.» Danach gefragt, warum es denn nicht vorwärtsgeht, obwohl offensichtlich ein Missstand besteht, zuckt er mit den Schultern. Er wisse es schlichtweg nicht. «ME/CFS wurde lange Zeit völlig zu Unrecht als psychosomatisch stigmatisiert. Vielleicht führt dies dazu, dass die Tragweite der Krankheit immer noch unterschätzt wird.» Etwas Ratlosigkeit ist zu spüren. Frustriert sei er aber nicht: «Das ist halt Politik. Manchmal hat man die Mehrheiten, manchmal nicht.»
Birrer-Heimo sagt dazu: «Ich war überrascht, dass nicht mal das Postulat überwiesen wurde, das ja nur einen Bericht vom Bundesrat verlangt.» Klar ist für sie: «Damian Müller und ich allein haben zu wenig Macht, um das Problem zu lösen.»
Ärzte müssen Krankheit kennen und verstehen
In anderen Ländern wurde die Politik schon aktiv. Die USA haben einiges an Forschungsgeldern gesprochen und offiziell erklärt, dass ME/CFS eine körperliche Krankheit ist. «Das hat zur Entstigmatisierung beigetragen, was wiederum die medizinische Versorgung verbessert», sagt Sagelsdorff. Er ist sicher: Das wäre auch in der Schweiz ein wichtiger erster Schritt.
Hier könnte auch die Ärzteschaft voranschreiten – das erhofft sich auch das Bundesamt für Gesundheit. Doch symptomatisch ist die Einschätzung der Luzerner Ärztegesellschaft: «ME/CFS ist eine Krankheit, deren Ursache bis heute nicht geklärt ist. Gerade deshalb ist es in der Schulmedizin schwierig, dafür eine geeignete Therapie zu finden.» Jonas Sagelsdorff erklärt: «Die endgültigen Ursachen sind nicht bekannt, aber das ist bei vielen Krankheiten so und heisst nicht, dass es unmöglich ist, die Betroffenen gut zu behandeln.»
Trotz aller Schwierigkeiten: Die Luzerner Politiker werden weiterkämpfen. Müller sagt: «Wir müssen diesen Leuten eine Stimme geben, die keine Kraft haben, selbst Einfluss zu nehmen.»
«Vollgepumpt»: Zustand eines Demenzkranken verschlechtert sich in Psychiatrie rasant
Ein Patient wird gegen den Willen seiner Angehörigen in die Psychiatrie eingewiesen. Dort verschlechtert sich sein Zustand stark. Der Vorwurf: Der Patient wurde unnötig vollgepumpt.
Nach neun Tagen Isolation in der Luzerner Psychiatrie wird der demenzkranke K. Müller ins Spital eingeliefert. Seine Tochter, Angela Müller, besucht ihn und ist schockiert: «Ich habe ihn kaum wieder erkannt.» Noch wenige Tage zuvor habe sie mit ihm im Restaurant des Altersheims gegessen und geschwatzt. Sie zeigt Bilder aus dieser Zeit. Er wirkt zufrieden. Alt, aber relativ gesund. Jetzt liegt er auf dem Bett. Bewegungslos. Und starrt Löcher in die Luft. So erzählt sie es. Obwohl der 76-Jährige völlig apathisch war, wurde er nach dem Spitalaufenthalt direkt noch einmal zwei Tage in Isolation gesteckt.
Wie kam es zur massiven Verschlechterung seines Zustands? Angela Müller ist sicher:
«Er wurde in der Isolation in St. Urban
mit Medikamenten total sediert.»
Im Spitalbericht wird auch erwähnt, dass sein apathischer Zustand auf die starken Beruhigungsmittel – Haldol, Risperidon, Temesta und Dipiperon – zurückzuführen sei.
Der Kommunikationsleiter der Luzerner Psychiatrie, Daniel Müller, erklärt: «Psychopharmaka führen dazu, dass weniger Zwangsmassnahmen nötig sind und Patienten autonomer leben können. Weiter werden Zwangsmassnahmen von den Betroffenen weniger einschneidend erlebt.» Zum Fall K. Müller könne er aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes keine Auskunft geben.
Mittlerweile ist der Besuch in der psychiatrischen Klinik über ein halbes Jahr her und K. Müller ist zurück auf der Demenzstation des Altersheims Linde in Grosswangen. Sein Zustand sei nicht besser, berichtet sie. Seit seinem Aufenthalt in der Klinik könne er weder selbstständig sitzen noch essen. «Ich bin immer noch schockiert, wie er behandelt wurde.» Sie ist traurig, ihren Papi so, wie er noch vor wenigen Monaten war, verloren zu haben, und wütend auf die Institutionen, die ihrer Ansicht nach versagt haben.
Immer öfter erleben Patienten Zwangsmassnahmen in der Psychiatrie. Schweizweit und auch im Kanton Luzern. Das ergibt eine Recherche der «Luzerner Zeitung».
Örtliche Wechsel schwierig für Demenzkranke
Die Heimleiterin in Grosswangen, Jacqueline Meier, betont, dass man mit Einweisungen in die Psychiatrie sehr zurückhaltend sei und dies nur bei einer massiven Selbst- und Fremdgefährdung tue. Sie erklärt: «Räumliche Veränderungen sind für Menschen mit Demenz eher schwierig. Aufgrund von solchen Veränderungen können auch herausfordernde Situationen entstehen.»
So scheint es auch bei K. Müller gewesen zu sein. Noch am Abend seiner Einweisung kommt er für elf Tage in Isolation. «Das ist doch unmenschlich. Und für Demenzkranke ist das besonders schwierig, sie können sich ja nicht wehren», sagt Angela Müller. Barbara Callisaya, Leiterin der Patientenstelle, bestätigt, elf Tage seien eine sehr lange Zeit. «Man muss davon ausgehen, dass es für diese lange Isolation eine gute Begründung gibt.»
Im Bericht der Psychiatrie, welcher der Redaktion vorliegt, gibt es einen Eintrag zur Begründung der Isolation: Der Patient habe sich aggressiv verhalten. Immer wieder wird im Bericht in den darauffolgenden Tagen erwähnt, der Patient sei agitiert – also unruhig – und aggressiv. Warum er nach einigen Tagen nicht wieder aus der Isolation konnte, wird nicht explizit erklärt. Obwohl die Psychiatrie gesetzlich dazu verpflichtet wäre, regelmässig neu zu beurteilen, ob eine Isolation für weitere 24 Stunden nötig wäre. Auf Anfrage wird Angela Müller seitens der Psychiatrie mitgeteilt, eine ausführlichere tägliche Begründung gebe es nicht.
Mit den Vorwürfen von Angela Müller konfrontiert, erklärt Daniel Müller: «Generell ist es so, dass wir uns beim Thema Zwangsmassnahmen in einem medizinisch-ethischen Spannungsfeld bewegen.» Deshalb sei Zwang niemals «normaler» Bestandteil des Handelns. Der Umgang mit Zwang, Vorgehen, Durchführung, Dokumentation und Betreuung seien genau definiert.
Personalmangel und Zwangsmassnahmen – zwei Seiten derselben Medaille
Eine Recherche des «Tages-Anzeiger» zeigte vor kurzem: Wenn es um Zwangsmassnahmen geht, muss auch das Thema Personalmangel behandelt werden. Denn die Überlastung des Fachpersonals habe zur Folge, dass vermehrt auf solche Massnahmen zurückgegriffen werden müsse.
Das bestätigt auch Jacqueline Meier: «Der Personalmangel kann dazu führen, dass die Belastungsgrenzen tiefer werden und man zum Teil nicht mehr gleich gut auf die Leute eingehen kann. Dann kommt es eher zu herausforderndem Verhalten.» Zum konkreten Fall will Meier keine Auskunft geben. Sie betont aber: «Die Pflege und Betreuung von Menschen mit Demenz benötigen besondere Kenntnisse und stellen an Fachpersonen hohe Anforderungen. Dazu benötigt es entsprechende finanzielle und personelle Ressourcen und ein gutes Zusammenspiel zwischen Kanton, Gemeinden und den Heimen.»
Liridona Dizdari, Vizepräsidentin der Zentralschweizer Sektion des Pflegeverbands SBK, erklärt, dass die Überlastung des Pflegepersonals und der Ärztemangel in der Psychiatrie zur Folge haben, dass die Betreuung teils leidet: «Pflegende berichten uns, dass Konflikte – teilweise begleitet von gewalttätigem Verhalten – zunehmen. Es bleibt einfach zu wenig Zeit, kritische Situationen mit Gesprächen zu entschärfen.» In der Recherche der «Luzerner Zeitung» erklärt auch Ruth Baumann-Hölzle, Leiterin der Stiftung Dialog Ethik:
«Diese Personalnot ist schon lange bekannt
und führt letztlich dazu, dass das verbliebene
Personal zu diesem letzten Ausweg greifen
muss, damit es überhaupt handlungsfähig sein kann.»
Daniel Müller bestätigt, dass auch die Psychiatrie den Fachkräftemangel «punktuell» spürt. Er betont aber: «Wir können jedoch die qualitativ gute Grundversorgung stets aufrechterhalten und sehen hier insbesondere keinen Zusammenhang mit der Zunahme von Zwangsmassnahmen.»
Grosses Fragezeichen bei der Medikation
In einem Hilferuf haben Berner Assistenzärztinnen und -ärzte darauf aufmerksam gemacht, dass auch vermehrt auf Medikamente zurückgegriffen werde, um Leute ruhigzustellen. Angela Müller, die selbst in der Pflege gearbeitet hat, ist sicher: «Wegen dieser starken Medikamente ist mein Papi heute nicht mehr derselbe wie vor wenigen Monaten. Er wurde vollgepumpt.»
Sie kritisiert etwa, dass sein Antidepressiva abgesetzt wurde und dass er in der Psychiatrie sehr hohe Dosen an Beruhigungsmitteln erhalten hat. Diese haben starke Nebenwirkungen – «damit wird sein Abbau gefördert». Daniel Müller betont, dass bei Nebenwirkungen die Medikation in der Regel angepasst wird. Weiter erklärt er:
«Erkrankungen an sich können sich vom
Verlauf her verschlechtern. Für Aussenstehende
und Angehörige ist dies teils schwer zu
differenzieren, zu erkennen und zu verarbeiten.»
Angela Müller betont: «Ich streite nicht den Verlauf der Krankheit ab. Aber dass der Zustand innerhalb von sechs Wochen so viel schlechter wurde, kann man nicht mit der Demenz erklären. Das liegt daran, dass sie ihn vollgepumpt haben.» Sie fasst zusammen: «Ich finde es tragisch, dass demenzkranke Menschen letztendlich unter dem Personalmangel leiden. Wir alle werden mal alt und möchten mit Liebe und Respekt behandelt werden.»
Gesellschaft für Notfallmedizin warnt vor Kollaps – Kantonsspital-Führung wendet sich ans Personal
Laut dem Luzerner Kantonsspital ist die Patientenversorgung gut sichergestellt. Die Gesellschaft für Notfall- und Rettungsmedizin befürchtet allerdings schweizweit «verheerende Folgen», wenn Politik und Gesundheitseinrichtungen nicht aktiv werden.
Nachdem sich fünf Notfallpflegefachleute in dieser Zeitung zu den Zuständen auf den Notfallstationen des Luzerner Kantonsspitals (Luks) geäussert hatten, meldete sich die Geschäftsleitung des Spitals via Intranet bei ihren Mitarbeitenden. Im Beitrag, der für alle Angestellten ersichtlich ist und unserer Zeitung vorliegt, wird darauf hingewiesen, dass die Berichterstattung «leider in weiten Teilen nicht richtig und zum Nachteil des Luks und damit von uns allen» sei.
Insbesondere wird in dem Schreiben, das von Luks-CEO Benno Fuchs und Guido Schöpfer, dem Leiter der Medizinsteuerung und -koordination, unterzeichnet ist, jegliche Schönfärberei seitens des Spitals dementiert. «Die Patientenversorgung ist nach wie vor gut sichergestellt und in jeder Notfallsituation ist die Behandlung nach medizinischer Dringlichkeit gewährleistet», heisst es.
Problem geht über Notfallstationen hinaus
Nun haben aber ausgerechnet am Donnerstag die Schweizerische Gesellschaft für Notfall- und Rettungsmedizin sowie die Association Latine de Médicine d’Urgence eine alarmierende Mitteilung veröffentlicht. Demnach könne die aktuelle Situation mit drei Epidemien – Corona, RSV und Grippe – den Notfall an «den Rand des Kollapses» bringen. Das Schreiben ging an die Medien, aber auch an die wichtigsten Gesundheitsbehörden und Spitalleitungen der Schweiz – darunter dürfte auch jene des Luks sein.
Die beiden Organisationen betonen, dass die Behörden «zwingend» unter Einbezug verschiedener Akteure handeln müssen, damit die Notfallstationen ihre Aufgaben «respektvoll, sicher und effizient» erfüllen können. Das Problem seien aber nicht nur die Notfallstationen: «Vielmehr drücken sich darin die prekäre Situation und die Grenzen des gesamten Gesundheitswesens angesichts der sich ändernden Versorgungsbedürfnisse der Patientinnen und Patienten aus.»
«Verheerende Folgen für Patientinnen und Patienten»
Die Organisationen warnen: «Die Überlastung der Notfallstationen hat verheerende Folgen für die Patientinnen und Patienten, das Personal und die Gesundheitsversorgungseinrichtungen.» Sie fordern die Kantone und die Spitäler auf, das Thema zu priorisieren. «Dazu gehören die Sicherstellung der Finanzierung von öffentlichem Spitalwesen und der notfallmedizinischen Einrichtungen im Allgemeinen.»
Der Kontrast zwischen den Aussagen der beiden Organisationen für Notfall- und Rettungsmedizin und denjenigen des Luks ist gross. Das Luks hat wiederholt betont, dass die Notfallversorgung in guter Qualität sichergestellt ist, dass die Qualität nicht unter der hohen Belastung und den teils sehr langen Wartezeiten leidet. Der Hilferuf der Organisationen spricht aber eine andere Sprache.
Notfall am Limit: Qualität leidet laut Pflegefachleuten des Luzerner Kantonsspitals
Mehrere Stunden Wartezeiten für Bagatellfälle, mangelnde Monitoringplätze und viel zu wenig Personal.
Eine ältere Frau kommt in Sursee auf die Notfallstation. Sie hat einen Puls von 45 und sieht sehr schlecht aus. Eigentlich müsste sie so schnell wie möglich an den Monitor, aber keiner ist frei. Das erzählen Notfallpflegefachleute, die am Luks arbeiten. Solche Vorfälle belasteten sie sehr.
Dass die Wartezeiten, anders als kurz vor Weihnachten in dieser Zeitung kommuniziert, auch mal länger als eine Stunde dauern, betonen fünf Notfallpflegefachleute von verschiedenen Standorten des Luks. Nach dem erwähnten Bericht über den Zustand auf den Notfallstationen meldeten sich diese bei der Redaktion. Es sei viel schlimmer, als im Artikel dargestellt. «Wir haben das Gefühl, das müssen wir richtigstellen.»
Vier Stunden oder länger warten kommt vor
Gleich zu Beginn des Treffens betonen sie: «Wir wollen nicht das Luks schlecht machen, sondern die Bevölkerung sensibilisieren.» Ein zentraler Punkt seien die Wartezeiten. «Bis zu einer Stunde» warten sei «einfach nicht realistisch». Natürlich werde nach medizinischen Kriterien beurteilt, wer warten könne. Bei nicht dringenden Fällen könne es aber auch mal bis vier Stunden dauern – Patientinnen und Patienten berichten zum Teil von noch längeren Wartezeiten.
«Es ist wichtig, dass die Bevölkerung das weiss, denn wenn sie eine Stunde erwarten und vier Stunden warten, löst das Wut und Unverständnis aus», erklären die Notfallpflegefachleute. Die Stimmung auf dem Notfall sei generell angespannter geworden.
Als unsere Zeitung das Luks mit diesen Vorwürfen konfrontiert, antwortet nicht wie sonst üblich die Medienstelle, sondern ein renommierter Medienanwalt. Erst nach mehreren Tagen erhalten wir Antworten auf die Fragen. Obwohl in der Anfrage klargestellt wurde, dass die Vorwürfe verschiedene Standorte betreffen, gibt die Kommunikationsabteilung auch nach mehrmaligem Nachfragen nur zu den Zuständen am Standort Luzern Auskunft.
Markus von Rotz, Mediensprecher des Luks, räumt ein, dass die Wartezeit je nach Patientenaufkommen stark variiere und es «bei medizinisch weniger dringlichen Einzelfällen an Tagen mit sehr hoher Nachfrage» auch länger als eine Stunde dauern könne. Der Grund: «Die Schwierigkeiten des harten Personalmarktes erschweren unsere Dienstleistungsfähigkeit zunehmend.»
Leidet die medizinische Qualität?
Laut den Notfallpflegefachleuten können die langen Wartezeiten auch Konsequenzen haben für die medizinische Qualität. «Wir müssen Betten auf den Gang verlegen und können teils das nötige Monitoring nicht mehr gewährleisten.» Immer häufiger würden «kritische Ereignisse» im internen System CIRS gemeldet – Vorfälle, die potenziell gefährlich sind und hätten verhindert werden können. Mittlerweile seien es mehrere pro Woche.
Von Rotz widerspricht dieser Darstellung: «In jüngster Vergangenheit wurde kein signifikanter Anstieg von CIRS-relevanten Meldungen mit Auswirkungen auf die Patientensicherheit registriert.»
Die vielen zusätzlichen Bagatellfälle an sich seien für das Personal weniger belastend. Aber man erkenne teils die dringenden Fälle nicht, wenn man die Bagatellen zuerst noch triagieren müsse. «Und das ist psychisch sehr belastend für uns», erklärt das Fachpersonal. Mit diesen Vorwürfen konfrontiert behauptet von Rotz wie bereits vor Weihnachten, dass die medizinische Qualität nicht leide. «Die Behandlung von Notfällen ist jederzeit und in guter medizinischer Qualität gewährleistet», stellt er fest.
Stau auf dem Notfall?
Der Grund für die langen Wartezeiten und den grossen Stress für die Notfallpflegefachpersonen liegt laut den Notfallpflegefachleuten aber nicht allein bei zunehmenden Fällen auf dem Notfall. Weil auf den Abteilungen das Personal fehle, stauten sich die Patienten auf dem Notfall. So müssten Patientinnen teils 20 bis 30 Stunden auf dem Notfall verbringen, was wiederum Pflegeaufwand mit sich bringe.
Die Notfallpflegefachleute sind sich einig: «Das Luks hat es verschlafen, den Notfall auszubauen.» Sowohl bei der Ausstattung als auch beim Personal. Noch vor wenigen Jahren konnte laut den fünf Pflegefachleuten eine der Notfallpflegefachpersonen nach der Ausbildung nicht am Luks bleiben, weil keine Stellenprozente frei waren.
In Luzern sei zwar vor kurzem ausgebaut worden, «aber das Personal fehlt trotzdem». Dem widerspricht der Mediensprecher des Luks: «Das Notfallzentrum Luzern ist in der jüngeren Vergangenheit auf verschiedenen Stufen personell ausgebaut worden und ist adäquat besetzt.»
Den Vorwurf, das Luks habe es verschlafen, rechtzeitig zu reagieren, kann von Rotz nicht nachvollziehen. «Grundsätzlich ist der Personalmangel im Gesundheitswesen kein Luks-spezifisches Phänomen.» Es sei das oberste Ziel, die Stellenpläne möglichst vollständig zu besetzen und dafür, wenn betrieblich möglich und entsprechende Stellen offen sind, Fachkräfte auch nach ihrer Ausbildung weiter am Luks zu beschäftigen. «Dies gelingt uns im Notfallzentrum in der Regel gut – derzeit ist nur eine Pflegestelle ausgeschrieben.»
Wenn das Personal knapp ist, springen an allen Standorten Temporäre ein. Es sei jedoch frustrierend und anstrengend, immer wieder neue Mitarbeitende einzuführen, erklären die Notfallpflegefachleute. «Es entsteht eine Unruhe und Unzufriedenheit in den Teams, gerade auch deshalb, weil die Temporären mehr verdienen, jedoch keine zusätzlichen Aufgaben übernehmen. Ausserdem kennen diese die internen Abläufe nicht und können gewisse Pflegeaufgaben, wie zum Beispiel gipsen, nicht durchführen, weil sie von grösseren Häusern kommen.»
Sind immer genügend Fachärzte auf der Notfallstation?
Ein weiterer Aspekt, der die Arbeit der Notfallpflegefachleute belastet, ist der Mangel an Ärzten. Besonders nachts oder am Wochenende sei nicht immer schnell ein Facharzt vor Ort, sondern nur Assistenzärzte. «Sie sind teils jung und unerfahren, was bedeutet, dass eine grosse Verantwortung bei uns liegt.» Von Rotz betont: «Im Notfallzentrum Luzern sind rund um die Uhr an sieben Tagen Fachärztinnen und Fachärzte für Allgemeine Innere Medizin sowie Allgemeinchirurgie im Einsatz.»
Dass es mehr Fachleute braucht, sei mittlerweile beim Luks angekommen. Vor kurzem seien zusätzliche Stellen gesprochen worden. Was den Notfallpflegefachleuten aber fehle, sei die Wertschätzung der bestehenden Mitarbeitenden. «Ich will mehr Lohn, und allem voran brauche ich mehr Erholung», ist mehrfach zu hören. «Wir haben viele Leute, die aus gesundheitlichen Gründen reduzieren müssen.»
Deshalb sind die Angestellten sicher: «Mit einer 37-Stunden-Woche zum gleichen Lohn wäre uns sehr geholfen, denn wir sind am Limit.» Stattdessen würden sie regelmässig vor den Kopf gestossen: «Uns wird immer gesagt, das Spital hat kein Geld. Und dann liest du in der Zeitung, dass der Verwaltungsratspräsident mehr Lohn erhält. Das ist ein Hohn.»
Seit drei Jahren werden im Kanton Luzern immer mehr zu grosse Klassen gemeldet – das sind die Gründe
Grössere Klassen sind eine Belastung für Lehrpersonen. Obwohl jeweils zusätzliche Ressourcen gesprochen werden, beobachtet der Lehrerinnen- und Lehrerverband die Tendenz mit Sorge.
Kurz vor Schulbeginn waren viele Luzerner Gemeinden in der Stresssituation, dass sie nicht alle Lehrpersonenstellen decken konnten. Teils fehlten wenige Wochen vor Schulstart sogar noch Klassenlehrpersonen. In Dagmersellen mussten deshalb eine Kindergarten- und eine Primarklasse gestrichen werden.
Alex Messerli, Präsident des Luzerner Lehrerinnen- und Lehrerverbands (LLV), blickt zurück: «Das Zusammenlegen von Klassen war eine von vielen Massnahmen, mit welchen man versuchte, die Situation zu lösen und zu entspannen.» Er ist überzeugt, dass dieses Mittel nur vereinzelt eingesetzt wurde. «Es war eine Ultima-Ratio-Lösung.» Dies unter anderem, weil die Zusammenlegung negative Konsequenzen für die Unterrichtsqualität haben könne.
Überbestände steigen tendenziell
Nun legt die Dienststelle Volksschulbildung (DSV) offen, wie viele übergrosse Klassen es im laufenden Schuljahr im Vergleich zu den Vorjahren gibt. Diese Zahlen könnten einen Hinweis darauf geben, wie verbreitet das Phänomen war.
Seit drei Jahren ist zu beobachten, dass die Anzahl übergrosser Klassen tendenziell ansteigt. Sodass heute wieder der Stand von 2018/19 erreicht ist. Dies, obwohl in der Zwischenzeit Massnahmen ergriffen wurden, um die Klassengrössen stärker zu regulieren. So wurden 2019/20 die Ausgleichszahlungen für Unterbestände eingeführt. Die Leiterin der DSV, Martina Krieg, vermutet dass «die Schulen Klassen mit Unterbeständen mit Lernenden aufgefüllt und dadurch auch weniger Überbestände ausgewiesen» haben.
Lehrpersonenmangel als möglicher Grund
Der tendenzielle Anstieg in den vergangenen Jahren kann laut Messerli nicht isoliert betrachtet werden. Er sieht drei Faktoren, die miteinbezogen werden müssen: Die angespannte personelle Situation, die steigenden Schülerzahlen und die Frühpensionierungen. «Diese drei Faktoren hängen sicher voneinander ab. Wie der Lehrpersonenmangel nicht nur mit den steigenden Schülerzahlen erklärt werden kann, ist auch die Entwicklung der Zunahme der Klassengrössen nicht nur abhängig von den Schülerzahlen.» Der Lehrpersonenmangel spielt also auch mit.
Die DVS betont in Zusammenhang mit der zunehmenden Anzahl grösserer Klassen, dass übergrosse Klassen nicht zwingend zu einem Qualitätsverlust führen. «Ausschlaggebend für die Qualität des Unterrichts und die Belastung der Lehrperson ist weniger die Klassengrösse als vielmehr die Klassenkonstellation sowie die professionelle Planung und Durchführung des Unterrichts.» Dem stimmt der Präsident des LLV grundsätzlich zu. Er betont aber auch, dass sich diese Einschätzung in der Praxis relativiert.
Zusätzliche Belastung für Lehrpersonen
Zentral ist für Messerli der Aspekt der Belastung der Lehrpersonen. Befristet mehr Lernende im Klassenzimmer zu haben, sei meist machbar. Aber: «Es scheint, als ob wir als Schule wie auch als Gesellschaft von einer Krise in die Nächste rutschen.» Die fehlende Auswahl an qualifizierten Lehrpersonen, die Pandemie (und ihre Folgen), der russische Überfall auf die Ukraine, die hohen Energie- und Gesundheitskosten beeinflussen laut Messerli das Geschehen in der Schule direkt.
«Diese Überbestände können bei
einer sonst schon angespannten Situation
zur Überbelastung führen, das Fass
also zum Überlaufen bringen.»
Deshalb betrachte der LLV die Tendenz der steigenden Überbestände «mit Sorge», auch wenn bei übergrossen Klassen zusätzliche Ressourcen gesprochen werden, um die Lehrpersonen zu entlasten.
Nach Abrechnungsverbot für Mobile Ärzte: Luzerner Seegemeinden spalten sich vom Notfallkreis Küssnacht ab
Die Bevölkerung von Weggis, Vitznau und Greppen muss neu in die Notfallpraxis des Luzerner Kantonsspitals statt wie bisher in diejenige des Schwyzer Kantonsspitals. Ausserdem gibt es eine neue Notfallnummer.
Wenn Weggiser, Vitznauerinnen oder Grepper ausserhalb der Öffnungszeiten ihrer Hausarztpraxis einen Unfall oder ein anderes gesundheitliches Problem haben, können sie sich beim hausärztlichen Notfalltelefon melden. Sei es eine Verbrennung, ein geprellter Fuss oder Anzeichen einer allergischen Reaktion – solange die Situation nicht lebensbedrohlich ist, ist der hausärztliche Notfalldienst zuständig.
Die Luzerner Seegemeinden organisieren diesen Notfalldienst nicht selbstständig, sondern sind beim Notfallkreis Küssnacht angegliedert. In einem Inserat in der lokalen «Wochenzeitung» haben die fünf Weggiser Ärztinnen und Ärzte nun bekanntgegeben, dass sie sich davon abspalten. Mit der Einleitung «Dies ist eine wichtige Mitteilung» schreiben sie:
«Die derzeitige Belastung mit Notfalldiensten beträgt bei einem 100-Prozent-Pensum über 40 Dienste pro Jahr! Der Küssnachter Dienstkreis sucht zusammen mit dem Dienstkreis Schwyz nach Lösungen, welche die Gemeinden Weggis, Vitznau und Greppen laut Vorabklärungen nicht miteinschliessen.»
Und weiter:
«Wir Ärztinnen und Ärzte von den Seegemeinden mussten handeln und werden ab dem 1. Januar 2023 in Luzern am Kantonsspital Luzern in der Notfallpraxis die Dienste absolvieren.»
Der Grund für die Suche nach Lösungen des Küssnachter Dienstkreises liegt in einer Gesetzesänderung. Da es im gesamten Bezirk nur wenige Ärztinnen und Ärzte hat, wurde der ärztliche Notfalldienst teilweise ausgelagert. Bis im vergangenen Sommer hat die Mobile Ärzte AG bei diesem Dienst mitgewirkt. Wegen eines faktischen Berufsverbots für ausländische Ärztinnen und Ärzte mit wenig Berufserfahrung in der Schweiz musste das Unternehmen die Zusammenarbeit aber kündigen.
Eine schnelle Alternative musste her. Die Permanence Luzern ist eingesprungen, und die Hausärztinnen und Hausärzte im Notfallbezirk haben sogenannte Hintergrunddienste übernommen. Eine Zwischenlösung, die wegen der Zusatzbelastung für die lokalen Ärztinnen und Ärzte für Kritik sorgte. Aber immerhin war die Grundversorgung sichergestellt.
Entscheid wurde unter Zeitdruck gefällt
Die Zukunft war aber unsicher. Im Raum stand die Option, mittelfristig die drei Innerschwyzer Notfallbezirke zusammenzuführen – hier hätten die Luzerner Seegemeinden nicht mehr mitmachen können. «Die Wege wären schlicht zu weit gewesen», erklärt Thomas Schade, Küssnachter Bezirksarzt.
Das Damoklesschwert des Ausschlusses hing somit während Monaten über den Ärztinnen und Ärzten der Luzerner Seegemeinden. Sie waren vom weiteren Vorgehen des Notfallkreises Küssnacht abhängig. Im September haben sie schliesslich von sich aus entschieden, den Notfallkreis Küssnacht zu verlassen. Sie konnten nicht länger auf den Entscheid der Schwyzer warten, weil das Anmeldefenster für den Notfalldienst am Luzerner Kantonsspital Ende September schliesst. Nirgends Notfalldienst zu leisten, ist gesetzlich nicht erlaubt.
Die Abspaltung vom Küssnachter Dienstkreis ist laut Doreen Hug, Hausärztin in der Praxis Weggishof in Weggis, eine gute Lösung für die Hausärztinnen und Hausärzte: «Sie müssen jetzt viel weniger Dienste leisten.»
Für die Bevölkerung der Seegemeinden ändern sich dadurch zwei Dinge. Zum einen wählen sie im Fall eines Notfalls, der nicht lebensbedrohlich ist, ab dem 1. Januar folgende Telefonnummer: 0900 11 14 14. Ausserdem müssen sie nicht mehr zum Schwyzer Kantonsspital, sondern zum Luzerner Kantonsspital, um die ärztliche Notfallpraxis aufzusuchen. «Die zusätzlichen 15 Minuten Fahrzeit könnten dazu führen, dass die Leute zweimal überlegen, ob ein Arztbesuch am Wochenende wirklich nötig ist», sagt Hug. Gesundheitlich sei dies nicht bedenklich, «es könnte sogar die Notfallstationen etwas entlasten». Im Fall eines lebensbedrohlichen Notfalls können sie weiterhin ins Schwyzer Kantonsspital.
Bessere Kommunikation hätte Abspaltung wohl verhindern können
Dass es zur Abspaltung kam, bezeichnet Thomas Schade als «unglücklich». Denn nur zwei Wochen nach dem Entscheid der Ärztinnen und Ärzte der Seegemeinden wurde beschlossen, die Schwyzer Notfallkreise nicht zusammenzuführen und stattdessen mit Hilfe von Medgate das hausärztliche Notfalltelefon abzudecken und weiterhin mit Hintergrunddiensten der lokalen Ärztinnen und Ärzte zu arbeiten. Einer weiteren Zusammenarbeit zwischen Seegemeinden und Notfallkreis Küssnacht wäre also nichts im Wege gestanden.
«Wir wussten von der zeitlichen Pression der Kollegen gar nichts», betont Schade. «Wir sind traurig darüber, dass die Gemeinden sich nach 40 Jahren vom Notfallbezirk abspalten. Ich kann es aber verstehen. Die Unsicherheit war sehr gross.»
Der Entscheid der Weggiser Ärzte sei nicht für alle Ewigkeit, erklärt Doreen Hug: «Wenn es nächstes Jahr wieder eine bessere Lösung gibt, sind wir offen, wieder zurückzugehen.» Bis dann könnte sich auch an der gesetzlichen Lage wieder etwas ändern. Auf Bundesebene laufen Bestrebungen, das Abrechnungsverbot für ausländische Ärzte zu lockern, um die Grundversorgung sicherzustellen.
«So können wir zu einer besseren Erholung des Pflegepersonals beitragen»
Weil Kanton und Bund bisher auf eine Ausbildungsoffensive setzen, schreiten viele Institutionen bei den Arbeitsbedingungen voran. Das birgt aber die Gefahr, dass lediglich die Konkurrenz zwischen den Heimen steigt – und nicht die Attraktivität des Berufs.

Im Pflegewohnheim Bärgmättli werden die Arbeitsbedingungen des Pflegepersonals auf Anfang 2023 verbessert. Statt 42 Stunden muss das Pflegepersonal nur noch 40 Stunden die Woche arbeiten. Während die Arbeitstage gleich lang bleiben, werden die Angestellten so auf ein 100-Prozent-Pensum jeden Monat einen Tag mehr frei haben – bei gleichbleibendem Lohn plus Inflationsausgleich. «So können wir zu einer besseren Erholung des Pflegepersonals beitragen», erklärt Geschäftsführer Marco Meier.
Künftig werden mehr Pflegefachpersonen nötig sein, um die Dienste abzudecken. Meier hofft, dass die Verbesserung auch bei der Besetzung von offenen Stellen hilft. Ausserdem möchte das Pflegewohnheim bald die Dienstpläne flexibler gestalten, sodass potenzielle Fachpersonen zum Beispiel jeden Tag erst ab 17 Uhr arbeiten können. «Grundsätzlich verfolgen wir das Ziel, dass die Arbeit besser mit Freizeit und Familie vereinbar wird», so Meier. In einer Umfrage bei den Mitarbeitenden sei dies als zentrales Bedürfnis geäussert worden.
Lob erhält das Vorgehen im Bärgmättli von Claudia Husmann, Leiterin der Geschäftsstelle des Berufsverbandes der Pflegefachpersonen (SBK Zentralschweiz): «Diese Anpassungen sind ein gutes Zeichen.» Insbesondere die Umsetzung der tieferen Wochenarbeitszeit mit dem zusätzlichen freien Tag befürwortet Husmann. «Das trägt zur maximalen Erholung bei.»
Institutionen können nicht auf Kanton warten
Ausgangspunkt für die Anpassungen im Bärgmättli war laut Meier die Pflegeinitiative: «Da die Umsetzung auf politischer Ebene viel Zeit braucht, haben wir überlegt, wie wir voranschreiten können.» Die kantonalen Massnahmen konzentrieren sich bisher auf die Umsetzung des ersten Teils der Pflegeinitiative. Also darauf, mehr neue Fachkräfte für den Pflegeberuf zu gewinnen. «Gleichzeitig müssen wir aber auch schauen, dass wir diejenigen, die schon in dem Beruf arbeiten, nicht wieder verlieren», sagt Meier.
«Die Arbeitsbedingungen zu verbessern,
ist im Moment also Pflicht der Institutionen.»
Das Bärgmättli ist nicht allein in den Bestrebungen, die Pflegekräfte zu entlasten. Das erklärt Nadja Rohrer, die Präsidentin des Kantonalverbands der Pflegeheime Curaviva. «Alle beschäftigen sich mit der Frage, wie sie attraktiver werden können.» Der Fokus liege dabei auf den Arbeitszeitmodellen und dem Lohn. Die gewählten Werkzeuge seien sehr unterschiedlich. «So gibt es Institutionen, die immer noch geteilte Dienste haben. In diesen Fällen ist das sicher der grösste Hebel.» Anderenorts könne etwa ein Weglassen der Eintrittsschwelle in die Pensionskasse positive Auswirkungen haben.
Konkurrenz zwischen den Heimen steigt
Die Institutionen sind bei der Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der Pflege aber nicht völlig frei. Sie sind darauf angewiesen, dass die Gemeinden ihnen bei den Tarifen entgegenkommen, um Verbesserungen wie die Reduktion der Wochenarbeitszeit bei gleichbleibendem Lohn zu finanzieren. So passiert in Beromünster: Die Gemeinde erhöht das Budget für Pflegekosten.
Sowohl Meier als auch Husmann sehen in den individuellen Anpassungen von Gemeinden und Institutionen aber auch Grenzen. Meier betont, dass auch die Institutionen und der Kanton gefordert sind, die Arbeitsbedingungen konkurrenzfähig zu gestalten. Um genau gegen diese Konkurrenz zwischen Betrieben und Kantonen vorzugehen, will der SBK Zentralschweiz auf einen Branchen-Gesamtarbeitsvertrag hinarbeiten.
Husmann beobachte, dass viele Institutionen zum Handeln gezwungen werden, da sie sonst nicht genug Fachkräfte finden. In vielen Fällen wurden deshalb «kleine Verbesserungen, die sich gut vermarkten lassen», beschlossen. «Das führt aber dazu, dass sich die Heime gegenseitig die Pflegefachpersonen abwerben.» Sie ist überzeugt, dass ein Branchen-Gesamtarbeitsvertrag eher die Wirkung hätte, dass Pflegefachpersonen tatsächlich im Beruf bleiben. «Wir brauchen eine stärkere und flächendeckende Verbreitung der guten Bedingungen.»
«Jede Hausarztpraxis könnte eine Pflegeexpertin brauchen» – eine Pionierin kämpft in Aesch gegen den Hausärztemangel
Die erste Pflegeexpertin im Kanton Luzern unterstützt in Aesch eine Hausärztin. Das positive Fazit des vom Kanton geförderten Pilotprojekts regt dazu an, die Rolle der Pflegeexpertin auch in anderen Praxen zu etablieren.
Flavia Thüring-D’Amico geht am Morgen den Plan für ihren Arbeitstag durch: Unter anderem stehen zwei Hausbesuche in Schongau an. Sie arbeitet in einem 30-Prozent-Pensum als Pflegeexpertin für die Hausarztpraxis Aesch und ist in Delegation der Hausärztin Aurelia Herzog verantwortlich für die Betreuung chronisch kranker Patientinnen im Einzugsgebiet der Praxis. Ausserdem betreut Thüring-D’Amico jeweils am Dienstag Bewohnende des Altersheims. Ergänzend zur Arbeit macht sie den Master in Nurse Practitioner – bei dem sie ihr pflegerisches und medizinisches Wissen vertieft. Kurz vor 10 Uhr steht sie vor der Haustüre der ersten Patientin.
Die Aufgaben unterscheiden sich von jenen der Spitex:
«Ich berate die Patientinnen und Patienten
pflegerisch und mache gleichzeitig erste
Abklärungen, die für eine Diagnosestellung
und Behandlung nötig sind.»
Diese würde in einer Praxis ohne Pflegeexperten die Hausärztin durchführen. Ausserdem erfüllt sie auch medizinische Aufgaben, die von der Ärztin delegiert wurden, wie zum Beispiel das Blut nehmen für die Messung des Blutzuckers.
Die ärztliche Verantwortung für die Patientinnen und Patienten trägt nicht Thüring-D’Amico, sondern die Praxisleiterin Aurelia Herzog. Eine gesundheitliche Veränderung bespricht die Pflegeexpertin dann mit der Ärztin, wobei die Ärztin definitiv entscheidet, wie geholfen werden kann.
Die Pflegeexpertin greift bei der Arbeit auf ihre bisherige Berufserfahrung zurück: «Das bisherige Wissen und das Zusatzstudium bieten mir optimale Bedingungen, um im Praxisalltag adäquat zu reagieren.»
Pilotprojekt lief bis Anfang Jahr
Gemeinsam mit dem Zentrum für Hausarztmedizin und Community Care Universität Luzern haben Flavia Thüring-D’Amico und Aurelia Herzog das Arbeitsmodell Pflegeexpertin in einer Hausarztpraxis erarbeitet. Bis Anfang Jahr lief ein entsprechendes Pilotprojekt mit Unterstützung des Kantons.
Damit leistet die Praxis Pionierarbeit im Kanton Luzern. «Es hat mich gefreut, dass wir dem Kanton aufzeigen konnten, dass wir in Bezug auf Qualität und Zufriedenheit der Patienten und Praxismitarbeiterinnen sehr gute Rückmeldungen erhalten haben», sagt Thüring-D’Amico. Für die 35-Jährige ist klar:
«Um die Grundversorgung auf dem
Land sicherzustellen, brauchen wir
innovative Lösungen.»
Beim ersten Hausbesuch merkt man, dass sie einen kompetenten, vertrauensvollen und herzlichen Umgang mit den Patientinnen und Patienten hat. Sie sprechen nicht nur über strikt medizinische Themen, sondern beispielsweise auch darüber, wie sie den Alltag bewältigt, oder wie es ihr psychisch geht.
Für die zweifache Mutter aus Schenkon ist dementsprechend wichtig zu betonen, dass sie nicht einfach eine «kleine Ärztin» sei: «Für mich steht der pflegerische Aspekt im Zentrum.»
So fällt ihr beim Besuch auch eine kleine Verletzung am Arm der Patientin auf und sie fragt nach: «Ist die neu?»
«Ich glaub schon, bin aber nicht sicher.»
«Sieht aus, als hätten Sie sich irgendwo angeschlagen. Haben Sie Schmerzen?»
«Nein, nein. Ist nur etwas Kleines.»
Keine Kapazität mehr für Hausbesuche
Für Flavia Thüring-D’Amico ist klar, dass eine Stärkung im pflegerischen Bereich auch die Qualität der hausärztlichen Versorgung aufrechterhalten kann. «Gerade Hausbesuche gehören eigentlich zur Kernaufgabe eines Hausarztes. Aufgrund der demografischen Entwicklung und dem Mangel an Hausärztinnen und Hausärzten haben die meisten aber keine Kapazität mehr dafür.»
Einen Mehrwert für die Gesundheitsversorgung bieten Hausbesuche laut Flavia Thüring-D’Amico aber allemal. Gerade ältere Leute kämen ungern in die Praxis, weil sie nicht mehr so mobil seien:
«Patienten rufen teils an und fragen,
ob ich vorbeikommen kann.
Das Angebot wird sehr geschätzt.»
Auch bei der Medikamentenversorgung kann sie regulierend eingreifen. «Teilweise nehmen Patientinnen und Patienten ihre Medikamente nicht korrekt ein. Wenn ich dies erkenne, schauen wir uns die Medikamente gemeinsam an», erklärt sie. Beim zweiten Hausbesuch fragt sie entsprechend auch, wie es mit den verschriebenen Medikamenten läuft. Prompt stellt sich heraus, dass das eine die Patientin sehr müde macht, und sie es deshalb nicht mehr einnimmt. «Diese Gespräche ermöglichen uns, eine geeignetere Lösung zu suchen, und so die Qualität der Versorgung zu verbessern.»
Krankenkasse bezahlt nicht genug
Die Finanzierung der Rolle der Pflegeexpertin ist jedoch noch nicht klar geregelt. Bei der Krankenkasse kann nur ein Teil der Leistung abgerechnet werden, weil der Aufwand zur Vor- und Nachbesprechung nicht abgebildet wird.
Die Praxisleiterin Aurelia Herzog ergänzt: «Die Kostenfrage ist sicher ein Hindernis für andere Praxen, eine Pflegeexpertin oder einen Pflegeexperten einzusetzen.» Viel entscheidender sei aber, dass zu Beginn der Zusammenarbeit zusätzlicher Aufwand für den Hausarzt oder die Hausärztin anfalle. «Es hat eine gewisse Zeit gebraucht, bis wir so harmonisch zusammenarbeiten konnten», erinnert sie sich.
«Am Anfang ist eine enge Begleitung
der Pflegeexperten durch die Hausärztin nötig,
um das Vertrauen aufzubauen.»
Mittlerweile lohne sich die Zusammenarbeit aber auch zeitlich. «Wir können insgesamt mehr Patientinnen und Patienten betreuen», sagt Aurelia Herzog.
Weiteres Projekt könnte bald realisiert werden
Nun hat das Zentrum für Hausarztmedizin und Community Care, Universität Luzern, ein Folgeprojekt beim Kanton eingereicht. Ziel ist es, eine vertiefte Studie mit mehreren Praxen zu machen. Das Okay des Kantons steht noch aus. Die zwei Pionierinnen würden dem Folgeprojekt in beratender Rolle zur Seite stehen.
Dieser Artikel ist am 26. Juli 2022 auf www.luzernerzeitung.ch in leicht abgeänderter Form erschienen.
«Bei Bewerbungen überlege ich zwei Mal, ob ich das Thema ansprechen soll»: Eine Pole-Tänzerin zum Umgang mit Vorurteilen
Seit über zehn Jahren macht die 26-jährige Bianca Bernasconi Pole-Dance. Bei einem Besuch im Studio zeigt die Grepperin, warum der Tanz an der Stange sie begeistert – trotz negativen Kommentaren.

Bianca Bernasconi liebt es, zu tanzen. Bereits im Alter von fünf Jahren hat sie damit begonnen:
«Zuerst habe ich Ballett gemacht.
Das hat aber ein Ende genommen,
weil ich zu alt war, um professionell
zu werden.»
Beim Pole-Dance war das hingegen im Alter von 15 Jahren noch möglich. Fünf Jahre später, im Jahr 2017, war sie schliesslich zum ersten Mal an Europameisterschaften. 2018 hat sie an den Schweizer Meisterschaften teilgenommen:
Mittlerweile hat sie ihr Hobby zum Teilzeitberuf gemacht. Sie unterrichtet an der Pole-Dance-Schule Luzern und bietet auch Shows an, welche individuell gebucht werden können.
Bis vier Trainings pro Woche neben Job und Studium
Auch im Alter von 26 Jahren will sie noch an internationalen Wettkämpfen teilnehmen. Diesen Monat findet zum ersten Mal seit Ausbruch der Coronapandemie wieder eine Weltmeisterschaft in London statt. Zurzeit befindet sie sich deshalb in der heissen Vorbereitungsphase mit drei bis vier Trainings pro Woche. Und das obwohl sie weiterhin arbeitet und ein Studium in Digital Business Management absolviert. Die Arbeit aufgeben, will sie aber nicht:
«Wenn ich mein eigenes Studio aufmachen würde,
dann würde vielleicht meine persönliche Leidenschaft,
mein eigenes Training darunter leiden.»
Dies, weil der organisatorische Aufwand dabei sehr gross sei.
Geschichte geht weiter zurück als Stripclubs
„Dass es internationale Pole-Dance-Wettkämpfe gibt, überrascht die meisten“, erzählt Bianca Bernasconi. Das liegt wohl daran, dass Pole-Dance in den 1950er Jahren in Amerikanischen Bars praktiziert wurde und in diesem Kontext stark sexualisiert wurde.
So verbinden auch heute noch viele den Tanz an der vertikalen Stange mit Sexarbeit. Vergessen geht dabei, dass der Stangentanz seinen Ursprung in der traditionellen asiatischen Akrobatik hat und erst später als anrüchig gesehen wurde.
Moderne Anfänge des Sports in Osteuropa
In den vergangenen Jahren hat sich Pole-Dance vermehrt als sportliche Aktivität verbreitet. Mittlerweile findet sich in jedem grösseren Magazin ein Artikel, der Pole-Dance als Fitnessprogramm anpreist. Viele Studios wurden eröffnet. Zu Beginn insbesondere in Osteuropa, mittlerweile gibt es in Luzern auch Pole-Dance-Kurse für Kinder.
Die Anfänge in Osteuropa sind auch im Luzerner Studio zu sehen. Dutzende Professionelle Tänzer und Tänzerinnen waren zu Besuch, um Kurse zu geben. Ihre Bilder schmücken eine Wand des Studios.

Als Bianca Bernasconi mit Pole-Dance begonnen hat, war die Entwicklung noch nicht so weit fortgeschritten. Trotzdem:
«Meine Eltern haben voll locker reagiert.»
Im Video erzählt Bianca Bernasconi aber, dass die Reaktionen nicht immer positiv ausfallen. Ausserdem spricht sie manchmal aus Angst vor negativen Reaktionen noch nicht völlig offen über ihr Hobby:
Selten gebe es Leute, welche negative Kommentare bringen würden. Gerade bei älteren Menschen höre sie noch öfters die Verbindung zu Strip Clubs. Deshalb überlege sie jeweils auch zwei Mal, ob sie das Thema bei Bewerbungsgesprächen erwähnen möchte, obwohl sie sicher ist: „Wahrscheinlich würde es bei den anderen gar nicht negativ rüberkommen.“ Immer mehr Leute zeigten nämlich Bewunderung für das was sie tue.
Den Sport wegen ein paar negativen Kommentaren an den Nagel zu hängen kommt für sie aber nicht in Frage. Es sei ein Sport, in dem man sich als Frau sehr stark machen kann. „Für mich persönlich ist es wie eine kleine Therapie, weil ich hier beim Tanzen meine Emotionen zeigen kann.“
Mittlerweile fällt ihr der Umgang mit negativen Reaktionen leicht: „Ich sage mir jeweils ‚denke, was du willst‘. Ich kann nicht immer die Energie aufwenden, diese Person richten zu wollen“. Zu Beginn sei das noch schwieriger gewesen. Zu Beginn habe sie oft gedacht:
«Ich mache doch einen Sport,
wieso verstehen die Leute das denn nicht?»
Sie glaubt zwar, dass sich die Gesellschaft in den vergangenen Jahren verändert hat und heute toleranter ist, als noch vor zehn Jahren.
«Es ist mittlerweile völlig normal,
dass wir auf Instagram Bilder
beim Tanzen im Bikini hochladen.»
Aber am meisten helfe, dass Pole-Dance verbreiteter ist: „Jeder kennt wohl irgendjemanden, der Pole-Dance macht und versteht deshalb, dass es ein Sport ist.“
Kraft ist extrem wichtig
Für Pole-Dance ist die Kraft zentral. Um an der Stange hochklettern zu können, und Figuren halten zu können müssen die nötigen Muskeln gezielt trainiert werden.
Obwohl Pole-Dance sich heute von Sex und Sexarbeit entfernt hat, tragen die Tänzerin weiterhin möglichst knappe Kleidung. Das ist nicht eine alte Tradition, welche noch nicht überwunden wurde, sondern eine Notwendigkeit. Das sei vielen nicht bekannt:
«Man braucht wirklich die Haut, die hält.
Sobald man also an der Stange hochklettern will,
sind die Kleider im Weg.»

Dieser Artikel ist am 20. Juli 2022 in leicht abgeänderter Form auf www.luzernerzeitung.ch erschienen.